Prismo logo   Badener Limmat-Lauf vom 27. März 2010: Aus der Sardinenbüchse zu neuer PB?

Ein Erlebnisbericht des 10. Badener Limmat-Laufs von Marcel Büchi, der als Teilnehmer des Wettkampfs am Hauptlauf über 13.2 Kilometer gestartet war – ein AZ-Goldlauf 2010. Alle Details und Fotos über die Zielsetzung, die Vorbereitung, die Laufschuhe, die Taktik während des Rennes, den Start im Stadion Aue, das Leiden, die Freuden, den Zieleinlauf, das Super-Resultat und die wunderschöne Laufstrecke mit Höhenprofil entlang der Limmat in der Umgebung von Baden. Der Badener Limmat-Lauf zählt zu den AZ-Goldläufen gesponsert von der Aargauer Zeitung und wurde organisiert von der LV Wettingen-Baden (LVWB) und dem Stadtturnverein Baden (STV Baden).

Die klare Zielsetzung

Nach den guten Resultaten und neuen PBs (Persönlichen Bestzeiten) am Hallwilerseelauf über 6.9 km, an Gippinger Stauseelauf über 7.5 km und am Bremgarter Reusslauf über 11 km war die Zielsetzung für den Badener Limmat-Lauf klar. Ich wollte die 13.2 km erstmals unter einer Stunde laufen. Meine PB aus dem Jahr 2008 stand bei 1:01:37.2. Dieses Ziel hatte ich schon letztes Jahr, als mich ein Velounfall zwei Wochen vor dem Limmat-Lauf jäh stoppte. Ich wurde im Lengnauer Kreisel auf dem Radquer-Velo abgeschossen und musste mit einem Schlüsselbeinbruch für ein paar Wochen pausieren.

2010 sollte es besser gehen, dachte ich mir und reduzierte das Radtraining. Das harte LVWB-Training mit dem Hügeln am Montag, dem Fahrtspiel am Mittwoch und dem Circuit in Tägi Sprint-Korridor am Donnerstag hatte sich bisher ausbezahlt. Am Sonntag vor dem Reusslauf lief ich die Strecke des Badener Limmat-Laufs bereits einmal relativ schnell ab und die Uhr stoppte bei 1:01:01. Das schöne Wetter war ideal, denn die vielen Spaziergängern dienten als Schikanen – denen man ausweichen oder sie überholen musste – wie im echten Rennen. Meine Spezialität sind übrigens Läufe über eine Distanz von 6 bis 10 km.

Die Vorbereitung im Wasser

Doch am Montag nach dem Reusslauf hatte ich nach dem Abendtraining leichte Schmerzen im linken Kniegelenk und hinkte danach eine Woche herum. Das Problem machte sich seit anfangs Jahr vor allem bei der LS (Laufschule) beim links Anfersen bemerkbar. Meine Mittelstrecken-Trainingskollegen Marco Kim und Caroline Droux waren leider ebenfalls verletzt. Zu allem Übel gesellte sich noch eine Erkältung dazu. Im Schwimmbad wurde ich gefragt, ob ich einen Unfall gehabt hätte, wegen dem nicht zu verbergendem Hinken. Brustschwimmen konnte ich wegen der seitlichen Kniebewegung praktisch nicht mehr. Also musste ich wieder einmal vor dem längsten Lauf der Saison kurz aussetzen. Zum Glück konnte ich fast schmerzlos Crawlen – mit und ohne Pull Buoy. Auf dem Rücken schwimmen ging auch immer besser und so hielt ich mich vorerst mit Schwimmen fit. Nach einer Woche begann ich wieder mit einem lockeren Dauerlauf, aber ich wusste, dass es schwer werden würde. An die sonst üblichen längeren Trainingseinheiten vor dem Limmat-Lauf war vorläufig nicht zu denken. Mit jeder Woche ging es besser und eine Woche vor dem Ernstkampf hatte ich beim Laufen keine Schmerzen mehr im Knie. Anstelle von Dauerläufen mit 16 bis 20 km Länge hatte ich das Schwimmtraining intensiviert, um meine Ausdauer zu verbessern. Ich war mit meiner Leistung im Wasser zufrieden und konnte mit einigen Sportschwimmern über längere Distanzen gut mithalten. Aber ich wusste nicht, ob es an Land reichen würde.

Die letzten Tage vor dem Lauf waren härter als ursprünglich geplant. Am Montag joggte ich lockere 17 km in Richtung Neuenhof und Killwangen. Der Dienstag war Schwimmtag. Am Mittwoch verschreib uns Bitsch (Beat Füglistaler) 45 Minuten DL (Dauerlauf ) niedrig plus 5 Minuten am Schluss gesteigert laufen. Gemeinsam mit Fabienne, Caroline, Matthias Fäs und Bitsch erkundeten wir Teile der Limmat-Lauf-Strecke. Weil er uns die KG (Kraftgymnastik) schenkte, waren wir einmal vor den Sprintern mit dem Training fertig. Schwimmen und Footing am Donnertag. Freitag war, wie der Name schon sagt, ein Ruhetag.

Marcel Büchi im blauen LVWB-Dress auf der Bahn vor dem Start

Gut gelaunt und bei Sonnenschein kurz vor dem Start. Brandneue, noch glänzende und saubere Laufschuhe.

Neue Asics Laufschuhe

Am Mittwoch machte ich bei Becksport in Bad Zurzach eine Laufanalyse und kaufte den Asics Gel DS Trainer 14 White/Onyx/Yellow. Herzlichen Dank an Daniel Beck für den tollen Service. Der schnelle Laufschuh ist sehr komfortabel mit einem direkten Laufgefühl und ca. 281 Gramm schwer. Ich trug diesen Wettkampf-Schuh danach bei jedem Training und jeder Laufgelegenheit, um ihn für den Limmat-Lauf einzulaufen. Ich hatte ein gutes Gefühl und hoffte auf trockenes Wetter am Samstag. So neue Schuhe für 13.2 km war ein Risiko, aber meine Nike Pegasus waren schwerer und nicht so bequem. Die Ausnahme bestätigt die Regel. No risk, no fun!

Die letzten Stunden vor dem Start

Das Wetter war mitentscheidend, damit ich mein Ziel erreichen konnte. Vor einem Jahr waren die Verhältnisse mit Dauerregen und Kälte garstig. Am Samstagmorgen ging ich mich im Schwimmbad Baden kurz einschwimmen und es regnete leicht. Doch mehr und mehr setzte sich die Sonne in Szene. Es war mit 10 bis 12 Grad kalt und es windete etwas, aber ich liebe kühlere Temperaturen, weil man weniger schwitzt. Ich hoffte, dass der Wind noch abstellte, aber vergeblich. Dafür blieb es trocken und die Strecke dürfte sich nicht allzu eingeweicht präsentieren. Fast optimale Bedingungen um schnell zu Laufen.

Der 27. März war der Tag der Entscheidung. Ich hatte mehr oder weniger gut geschlafen und fühlte mich bis auf die Waden top fit. Der Donnerstag war wohl doch etwas viel mit Schwimmen und Footing. Als Stärkung ass ich vor dem Rennen Spaghetti mit Tomatensauce. Ich holte meine Startnummer 54 und trat mit dem blauen LVWB-Dress an. Auf der Bahn konnte ich gerade noch Rebekka Leistner anfeuern, die ins Ziel einlief. Beim Einlaufen sah ich Hansjörg Brücker aus Baden. Er sprach mit Max, dem Pöstler aus Ennetbaden, der im Gegensatz zu Hansjörg nicht in Laufmontur da stand. Mit Musik aus Pirates of the Caribbean bereitete ich mich mental auf das Rennen vor und genoss die Sonnenstrahlen. Es würde hart werden, dass wusste ich. Für die vielen 10 Meilen LäuferInnen – die von mir sogenannten 16 km Fritzen, Heinis und Tussis, nicht abwertend gemeint – war die Distanz und die eher flache Strecke ein Spaziergang. Für mich eine längere Herausforderung.

Die Startaufstellung des grossen Teilnahmerfeldes bei der 300 Meter Marke

Bitte machen sie eine typische Handbewegung. Für einmal Heimvorteil in der Aue. Als Sardine Nummer 54 irgendwo einklemmt im Startpulk.

In der Sardinenbüchse

Ich wollte das Feld von vorne aufrollen und ging nach einer letzten lockeren Steigerung von vorne an die 300 m Startmarke im Stadion Aue. Beim Start war ich eingeklemmt wie in einer Sardinenbüchse und stand viel zu weit vorne im grossen Teilnehmerfeld mit 155 Läuferinnen und 471 Läufern. Der Starter versuchte die Menge nach hinten zu bewegen, aber ohne Megaphon hörten ihn wohl die hinteren Teilnehmer nicht. Ganz in Blau ging ich in der Menge unter. Nach zwei Minuten bis zum Start. Die Konzentration in dieser Menschenmenge fiel schwer. Eine Minute. Die Uhr war bereit und ich konnte im Körper-Sandwich nicht umfallen. Noch 30 Sekunden. Die Erlösung nahte. 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, die Anspannung stieg, 3, 2, Peng. Der Startschuss fiel und das Volk stürmte los. Jetzt nur nicht die Stoppuhr vergessen. Sofort gab es mehr Platz zum Laufen. Ich lief möglichst innen auf der Bahn und versuchte von Anfang an auf der Ideallinie zu bleiben.

Massenstart der über 600 Läufer und Läuferinnen in der Aue

Wehe dem, wenn sie losgelassen werden. Die Masse setzt sich in Bewegung. Von Anfang an wird um jeden Meter gekämpft.

Die ersten Kilometer

Ohne Staus konnte ich auf dem ersten Kilometer flüssig laufen. Mit knapp 4 Minuten war ich etwas zu schnell unterwegs, aber es ging leicht bergab. Ich fühlte mich gut und auf den ersten vier Kilometern bis zur Steigung beim Kraftwerk Kappelerhof konnte ich ein gleichmässiges Tempo laufen. Der Anteil der Frauen war in diesem Abschnitt nicht sehr hoch und ich wurde mehrfach überholt. Walter erwartete uns unter der Brücke und markierte Präsenz. Während dem Rennen versuchte ich mich wieder anderen Läufern anzuschliessen und mich mitziehen zu lassen. Einmal lief vor mir eine Gruppe mit gleich drei Läufern mit dem gelb-weissen Asics DS Trainer. Bei der Powersprint-Marke bei 3.89 km stand Reto Som.

Die erste Steigung ging ich Piano an, denn ich wusste, der nächste Anstieg bis zum Tennisplatz war steiler und länger. Einmal Schweiss von der Stirne abwischen. Doch zuvor ging es nach Kilometer 4 bergab und in der Senke erspähte ich Sämi (Samuel Küng) als Streckenposten. Ich meisterte die härteste Steigung des Laufes gut und oben angekommen, sah ich Marco. Ich hatte ihn eigentlich beim Punkt 367 erwartet. Wie immer nach dieser Steigung, klappte die Beschleunigung auf normale Renngeschwindigkeit nicht optimal. Aber der erste Boxenstopp bei den Tennisplätzen Obersiggenthal mit Bitsch und Fabienne Aubry war nicht mehr weit. Ich war mit ca. 4:15 Min./km zu schnell unterwegs. Das linke Knie hielt und ich feuerte aus allen Zylindern. Fabienne spornte mich in der Rechtskurve an und von Bitsch schnappte ich mir einen Teebecher. Hastig nippte ich ein wenig und blieb am Vordermann dran, denn auf dem nachfolgenden Siggenthaler Feld blies meist ein lästiger (Immer-Gegen-) Wind. Der Tee tat gut und war klebrig. Wir bogen rechts auf den Feldweg ein und wurden schutzlos von Gegenwind erfasst. Sch…

Marcel rennt von der alten Holzbrücke Richtung Altstadt auf dem ersten Kilometer

Kopfsteinpflaster in der Altstadt nach dem Start. Das Leiden nimmt seinen Anfang. Ganz in Blau. Aber wo ist das LVWB-Logo?

Point of no return

Auf der langen leicht abfallenden Gerade in Richtung Pt. 367 Wasserweg versuchte ich so gut es ging im Windschatten von grösseren Läufern zu rennen. Leider machte sich die Hünen gerade jetzt rar. Nach ca. 6 km kam bei Punkt 367 die Erlösung. Ich winkte Markus Dasen zu und für kurze Zeit lief ich mit Seitenwind, bevor ich vom Rückenwind angetrieben wieder Richtung Tennisplatz zurück lief. Dieser Streckenabschnitt lag im Schatten und war deshalb etwas feuchter, aber weniger schlimm als befürchtet. Irgendwo, irgendwann da draussen war die halbe Strecke absolviert. Mein Tempo war nicht mehr so hoch wie zu Beginn und ich konnte mit zwei Läufern gut mithalten. Der Eine von Beiden rückte sporadisch sein funktionales Running-Shirt herunter. Vor der Abfahrt Richtung Limmat erwartete mich nochmals Fabienne mit Tee. Leider hatte sie nur zwei Hände und die beiden Läufer vor mir bedienten sich zuerst. Also musste ich mich in der abfallenden Spitzkehre mit Wasser zufrieden geben. Eine kleine Dusche wirkte Wunder. Ich konnte beim Hinunterrennen den Schwung nicht ganz mitnehmen weil ich rennende Schikanen vor mir hatte und ich gleichzeitig auf grössere Steinen am Boden achten musste. Vorbei an Pam (Pamela Märzendorfer) und einer etwas überraschten Bettina Kabosch bretterte ich hinunter Richtung Limmat. Bei dem trockenen Wetter hätte ich anstelle der langen Tights doch kurze Shorts anziehen sollen. Meine Betriebstemperatur stieg langsam in den roten Bereich.

Der idyllische Limmatweg

Unterhalb des linken Knies machte sich erstmals die Wade bemerkbar. Nach dem Footing am Donnerstag meldete sie sich bereits negativ an. Nichts schlimmes, aber eben störend auf der zweiten Hälfte des Limmat-Laufs. Der Weg bis zum Kraftwerk war frisch renoviert und ich wurde von einer jungen Frau mit ihrem Begleiter überholt. Beide gestylt im schwarzen Partner-Look und beide trugen Nike Schuhe, Air Zoom glaube ich. Es war Jasmin Addea. Sie wurde Dritte bei den Frauen 20. Es bildete sich eine kleine Gruppe und ich blieb dran, wenn auch leicht leidend. Fünf Kilometer vor dem Ziel musste ich die Reserven mobilisieren, damit mein Tempo nicht zu stark abfiel. Unter einer Stunde war noch machbar. Ich konzentrierte mich auf saubere Armbewegungen und vergass die linke Wade. Wir passierten bei Reto zum zweiten Mal das Kraftwerk und bogen auf den letzten Naturweg ein, der leicht sumpfig war. Die Gruppe von 4 bis 5 Läufer und einer Läuferinnen blieb zusammen und wurde ab und zu von Schnelleren überholt oder wir überholten Langsamere vor uns.

Aufholjagd der Startnummer 54 beim Powersprint über die Limmat

Aufholjagd beim Powersprint. Der blaue 54er an sechster Position. Frisch und munter über die Limmat. Der Weg ist das Ziel.

Der lange Leidensweg

Der Weg Richtung Aue wurde immer länger und das Ganze zog sich für mich in die Länge. Das junge Paar lief nebeneinander, was das Überholen für nachfolgende Läufer auf dem schmalen Weg erschwerte. Nach der Siggenthaler Brücke fielen wir auseinander und ich überholte das junge schwarzhaarige Mädel. Ich biss auf die Zähne und gab Schub, dicht gefolgt von meinen Verfolgern.

Drei Kilometer vor dem Ziel war die Luft langsam draussen. Meine 10 km Grenze. Wo blieb das Ziel? Beim Reusslauf konnte ich auf dem letzten Kilometer noch einen Zahn zulegen. Heute wurde nichts daraus. Jetzt wurde es hart und tuckern war angesagt. Den Anderen ging es nicht besser. Das Überholen und überholt werden nahm ab. Alle liefen ungefähr das gleiche Tempo und kämpften um den Anschluss. Von hinten stöhnte sich ein Läufer der LSG Brugg heran. Der Riese überholte mich im Rank beim Thermalbad und gab bei fast jedem Schritt schmerzerfüllte Laute von sich. Die Beine trugen mich von selbst. Die Leichtigkeit des Seins. Ich stellte mir Zieleinlauf vor, um von Wadenproblemen abzulenken.

Die Zuschauer warten im Zielgelände des Stadion Aue auf die ersten Läufer

Die Ruhe vor dem Sturm. Das Stadion Aue wartet auf die ersten Läufer. Noch knapp 51 Minuten bis zu meinem grandiosen Auftritt.

Noch zwei Kilometer

Nach der 2 Kilometer-Marke war ich wieder besser motiviert. Eine Zeit unter 60 Minuten sollte nach neuesten Hochrechnungen sicher drinliegen. Jetzt nur nicht übermütig werden, denn die Kilometerzeiten waren bedrohlich am steigen. Kein Wunder, es ging ja der Limmat entlang leicht flussaufwärts. Alle liefen anscheinend etwas langsamer ohne es zu merken. Hoffentlich hatte ich mich im Stress mit der Endzeit nicht verrechnet. Der innere Schweinehund verlangte zum ersten und letzten Mal nach einer Pause. Jetzt auf keinen Fall nachgeben, abbremsen oder sogar still stehen. Ein Mal pro Rennen kommt er sicher, manchmal auch zwei Mal, vor allem wenn die Sonne brennt. Meine Rettung nahte. Das kleine Brünneli – Bitsch nennt ihn beim Ein-/Auslaufen «Kreisel» – tauchte wie eine Fata Morgana auf. Ein Pfeil-Wegweiser wies den Weg rechts um den Brunnen, aber meine Mitstreiter wählten wie ich den kürzeren Weg links herum. Mit der Hand holte ich mir ein paar Tropfen zum Abkühlen der Stirn und Hände. Vor dem Rostbalken-Lift kollidierte ich fast mit einer unachtsamen Passantin, die mir vor die Füsse trat. Pfützen und Spaziergänger machten uns jetzt das Leben schwer.

Ich lief auf dem beliebten Kopfsteinpflaster der Kronengasse und wechselte in die angenehmere Regenrinne, knapp vor einem anderen Konkurrenten mit der gleichen Absicht. Nach dem China-Restaurant Alexander folgte die letzte Steigung in der Unteren Halde. Der Nachbrenner liess sich nicht zünden trotz den Anfeuerungsrufen von Caroline. Der Anstieg war hart umkämpft und ich musste mich doch geschlagen geben. Im Ziel wird alles vergessen sein. War das nicht Jasmin Emmenegger? Hinunter lies ich es laufen so gut es noch ging, musste aber in der Kurve abbremsen, weil so ein Blödmann innen hineindrückte. Ich verlor etwas an Fahrt und wurde von zwei Läufern in gelben Tricots überholt.

Marcel läuft auf dem von Rechenbergweg der Limmat entlang zum Ziel in der Aue

Kurz vor dem Ziel in der Aue. So sieht ein Sieger aus. Die Verfolger auf sicherer Distanz. Die Zeit unter einer Stunde.

Die letzten 1'000 Meter

Endlich, letzter Kilometer unter der Hochbrücke. Eine ältere, joggende Schikane blockierte mir den Weg. Super, eigentlich sollte ich nochmals beschleunigen, aber dafür hatte ich zu wenige Lang-Dauerläufe intus. Ich lief ziemlich am Limit und war zum Glück nicht der Einzige.

Dann ging alles sehr schnell. Der von Rechenbergweg, ein Fotograf für den ich versuchte freundlich zu lächeln, um nicht wieder kurz vor dem Ziel leidend abgelichtet zu werden, der Speaker, die Wehrbrücke, die jubelnde Menge, der weit offene Stadioneingang, die Treppe und der abgesperrte Korridor als letztes Hindernis auf die Bahn, dies ohne zu stürcheln. Von der Aussenbahn drängten alle auf die Innenbahn. Noch 200 m und eine Kurve. Mein Turbo-Knopf streikte und ich konnte den Vordermann nicht wirklich angreifen. Auch ein M40 wie sich später herausstellte. Eine Fotografin lehnte sich mit ihrem Kamerablitz ziemlich weit hinaus und blockierte meine ideale Linie in der letzten Linkskurve. Nichts anmerken lassen und lächeln. Der Blitz kam sehr spät, wahrscheinlich zu spät.

Die letzten verd… 100 Meter. Ich, die Nummer 54 und von der LV Wettingen-Baden, war zu schnell für eine persönliche Namensbegrüssung des behäbigen Stadion-Speakers. Den Zieleinlauf vor mir sah ich die laufende Uhr bei 56:48. Eine 56er Zeit wäre genial, krass unter einer Stunde. Ich flog über die Bahn, schneller ging nicht mehr, 56:50, 51, 52 und die Zeit stand erst still als ich die Datasport-Ziellinie überquerte. Ich war völlig erschöpft und musste einen Moment verschnaufen. Wahrscheinlich hatte es gereicht unter 57 Minuten zu bleiben. Ich rang nach Luft, ging langsam weiter und merkte erst jetzt, dass ich meine Stoppuhr vergessen hatte zu stoppen. Inoffiziell waren es 57:05 und 4:21 Min. pro km. Mit einer offiziellen Schlusszeit von 56:54.7 und 4:19 pro km hatte ich meine bisherige PB pulverisiert. Ich war 2010 über 4 1/2 Minuten schneller. Rang 46 von 154 bei den Männer 40, 138. overall bei 471 klassierten Männern. Nur sieben Frauen waren insgesamt schneller als ich, was die fehlende weibliche Begleitung beim Rennen erklärte. Ich war schlicht zu schnell für die meisten Mädels. Und die Fotografin, die nur meinen Laufschuh erwischte. Sorry, too fast for you.

Vor dem nächsten Wettkampf

Nach dem Rennen war ich ziemlich fix und fertig, konnte aber noch stehen. Die Batterien waren leer und meine Beine schwer. Die Temperatur lag bei 11 Grad. Der Wind wehte kalt und ich musste mir eine Jacke anziehen, um nicht zu frieren. Jakub Bossowski begrüsste mich und fragte, ob ich auch gelaufen sei. Er war mit seiner Leistung beim Doppelten Holzbrugg-Lauf über 4’080 m zufrieden. Nach der Stärkung mit feinem Früchtetee hatte ich Mühe wieder in Bewegung zu kommen. Alles tat nach dem Stehen weh und um Standschäden zu vermeiden, lief ich vorsichtig zum Auslaufen an. Ich lege eine grössere Runde ein und zu Hause fühlte ich mich wieder besser. Die Fussgelenke taten erst am Sonntag weh.
Bei den anschliessenden Siegerehrungen traf ich Bitsch, Fabienne, Rebekka, Caroline und Reto. Wobei ich etwas zu spät kam, denn Rebekka hatte bei der Verlosung mit einem Mountainbike von der BikeZone in Baden den Hauptpreis gewonnen.

Am Sonntagmorgen hatte ich leichten Muskelkater und mir fehlte eine Stunde Schlaf, wegen der blöden Sommerzeitumstellung. Im Schwimmbad Tägi war aktive Erholung mit lockerem Flösseln sprich Schwimmen angesagt. Am Ostersamstag stand bereits der Hasenlauf in Eiken auf dem Programm. Ich mag die relativ flache und 5.85 km lange Strecke sehr. Man kann so richtig über die Piste donnern. Eiken ich komme, zum zweiten Mal in diesem Jahr!

Der nächste Badener Limmat-Lauf findet am Samstag, den 26. März 2011 statt. Die Vorbereitungen auf meiner Hausstrecke finden dank LVWB-Training praktisch das ganze Jahr statt. Ich muss an meiner Ausdauer und Tempohärte arbeiten, damit ich auf dem letzten Kilometern schneller bin und auf der Bahn zum 300 Meter-Zielsprint ansetzen kann.

Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei allen LVWB-Athleten und -Athletinnen, die ich als Streckenposten nicht gesehen hatte, um ihnen zu zulächeln oder sogar zu zuwinken. Ich war einfach zu schnell, um alle Anfeuerungsrufe zu hören. Entschuldigung, Karin Wyler.

Die Kilometerzeiten und der 13.2 km Streckenbeschrieb

km 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Zeit 3:58 4:02 4:05 4:28 4:43 4:23 4:27 4:32 4:15 4:28 4:26 4:33 4:15

Die Kilometerzeiten wurden aufgezeichneten mit der GPS Sportuhr Garmin Forerunner 405. Die Zeiten in Minuten und Sekunden (m:ss). Die gemessene Distanz betrug 13.1 Kilometer.

Das Höhenprofil des Badener Limmat-Laufs (GPS)

Das Höhenprofil des Badener Limmat-Laufs

Der Streckenbeschrieb der Hauptstrecke über 13'200 Meter: Stadion Aue (300 m Start) - Kanalstrasse - Holzbrücke - Limmatpromenade - Kurplatz - Mättelipark - Kraftwerk Kappelerhof - Wehrbrücke (Powersprint) - schräger Weg - Talackerstrasse - Haldenstrasse - Tennisplätze Obersiggenthal - Siggenthaler Feld bis Pt. 367 Wasserweg - zurück an die Limmat - Wehrbrücke - Limmatpromenade - Kronengasse - Untere Halde - Grabenstrasse - von Rechenbergweg - Wehrbrücke - Stadion Aue (Ziel).

Die Laufstrecke des Badener Limmat-Laufs

Die Laufstrecke des Badener Limmat-Laufs

Marcel Büchi, Samstag 27. März 2010 14:30 (mac)

Exklusiver Artikel für die LV Wettingen-Baden (LVWB).

Bilder: Ruth Büchi, Alpha Foto, Foto Wagner, Heinz Walter und www.badenerlimmatlauf.ch